Die Bestie in dir


Verzweifelt versucht sie gegen die Bestie anzukämpfen..
Verzweifelt versucht sie sich zu retten..
kann sie das Monster in sich besiegen?


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Beschreibung Verzweifelt versucht sie gegen die Bestie anzukämpfen..
Verzweifelt versucht sie sich zu retten..
kann sie das Monster in sich besiegen?
ausführliche Beschreibung DIE BESTIE IN DIR

Da liegst du, am Boden, am Rande der Verzweiflung, am Ende…
Dein Inneres ist zerstört, in dir sind nur noch Bruchstücke einer Seele, nur noch Scherben erinnern an Gefühle & die Narben, die tiefen, blutigen Narben, die sich immer wieder öffnen, immer wieder aufreißen & niemals ganz verheilen werden.
Da liegst du, zusammen gekrümmt, die Hände vorm Gesicht, du versuchst die Tränen wegzudrücken, doch sie fließen durch deine zarten, zittrigen Finger, sie strömen, wie das Blut durch die Adern, sie laufen deine Wangen runter & schmelzen auf deinen heißen, trockenen Lippen.
Du schmeckst das Salz & du schmeckst das Blut, du schluckst es runter, deine Kehle brennt, das Feuer läuft deinen Schlund hinunter & erstickt an der Kälte deiner Seele.
Du schaust auf deinen Arm, durch deine wässrigen Augen sieht es aus wie ein rotes Meer, doch es ist Blut, dein Blut, dein Blut, welches du aus deinen Adern fließen lässt, welches du schon oft gesehen hast, doch es hört nicht auf zu bluten, es kommt immer mehr..
Du spürst keinen Schmerz dabei, nein, dich überfällt ein Gefühl der Erleichterung, der Genugtuung. Du musst dich bestrafen, du musst deinen Selbsthass spüren, du musst wissen, dass du noch lebst, du MUSST du kannst nicht anders..
Deine Hände sinken nieder, entkräftet, schwach.
Da liegst du, ausdruckslos & doch so viel sagend, mit Blut überströmten Armen, allein, mit Tränen in den Augen, einsam..
Sanft wirst du aus dem Schlaf gerissen, die Strahlen der Sonne öffnen deine verklebten Lider, der schwache Wind, welcher durch dein Fenster eindringt, zieht dich hoch, du verbindest deine Wunden, niemand soll sehen wie du dich verstümmelst. Warum sollen sie dich jetzt beachten, wo sie dich doch sonst ignorieren?
Du wäschst dein Gesicht, wischt dir den Schmerz, die Trauer, aus den Augen, Tagsüber setzt du deine Maske auf, aus Make-up & Kajal. Dein wahres Gesicht sieht niemand, kann niemand sehn, will niemand sehn.
Du schlingst dein Frühstück runter, deine Mutter sitzt daneben, wortlos gehst du wieder, ihr redet nicht, nicht mehr, ihr verständigt euch durch nicken.
Dein Mund bleibt geschlossen, deine Stimme hallt durch deinen Kopf, schreit dich an, fleht um Hilfe, vergeblich, niemand kann sie hören.
Du machst dich auf den Weg in den Alptraum den du durchqueren musst, du hast keine andere Wahl, du musst zur Schule.
Du setzt dich auf deinen Platz, allein. Du schaust nach unten, willst das Lächeln der andern nicht sehen, willst die Stimmen der andern nicht hören. Du übertönst die Wirklichkeit mit deiner Musik, deiner Welt. Die Stunden vergehen, Pausen allein auf dem Klo, Stunden allein auf deinem Platz, & Fragen, allein ohne Antwort.
Das Klingeln scheint dich zu retten, ein erlösender Wink des Herrn, der dir Gnade zeigt & dich befreit. Du packst deine Sachen & flüchtest aus dem Horror.
Zuhause schlägst du die Tür hinter dir zu & wachst auf, es ist vorbei. Ein weiterer Tag deines Lebens ist vorbei, noch 3536 Wochen, dann hast du es geschafft, dann kannst du in den Himmel auffahren, falls das Horoskop Recht hat.
Du setzt dich & machst deine Hausaufgaben. Beim Schreiben spürst du die Blutkruste am Arm, sie zieht deine Haut zusammen, du fühlst es wieder, das Geheimnis, dass du mit dir rum trägst, der Beweis dafür, dass du noch lebst.
Du schließt die Augen, versuchst dich zu konzentrieren, dir schießen Bilder vor Augen;
Bilder der Nacht, Klingen, rote Flüsse, tiefe Schnitte.. Narben.
Erschrocken atmest du aus, stößt die Gedanken weg von dir. Nein, das ist dein anderes Ich, es kommt jede Nacht & sucht dich heim, es kommt wenn das Licht ausgeht, wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, es kommt mit den Sternen der Nacht & geht mit den Strahlen der Morgensonne.
Es ergreift Besitz von dir, du bist ihm wehrlos ausgesetzt, du kannst dich ihm nicht widersetzen, nein, es ist zu stark.
Du legst den Stift weg, du legst dich hin, denkst nach. Ziehst langsam deinen Ärmel hoch, deine Augen wenden sich ab, doch das Bild hat sich schon längst in dein Gedächtnis eingestochen, es will nicht mehr gehen, es bleibt, für immer..
Du fährst vorsichtig die Wunden nach, so viele Schnitte, so viele Narben, jede einzelne erzählt ihre eigene Geschichte, hinter jeder stecken Gedanken aus Hass, Trauer, Einsamkeit.. Deine Fingerspitzen sind feucht, sie zittern, sie haben Angst davor, das anzusehen, was sie verursacht haben, sie weichen zurück & verstecken die Schande wieder unter deinem Ärmel.
Verängstigt schaust du auf die Uhr, gleich wird die Dunkelheit alles verschlingen, die Finsternis wird sich um deinen Körper legen, sie wird ihre Hände über deine Augen legen, dein zweites Ich wecken & sie wird dich zerstören.
Du wirst dieses Szenario wieder durchleben, & wieder, & wieder, ..
Wovor hast du Angst? Vor dir selbst? Nein, davor was du tust, davor fürchtest du dich, dafür hasst du dich..
Der Himmel schimmert rot, die Straßen werden dunkler, deine Augen schließen sich, die Schwärze der Nacht dringt in dich ein, umhüllt dein Inneres, verschlingt dein Herz.
Deine Lider reißen auf, du bist von Sehnsucht zerfressen, willst dich wieder spüren, willst deine Adern entleeren, um zu sehen, dass du noch lebst;
DIE BESTIE IN DIR zerreißt dein Fleisch, zerstört dein wahres Ich, sie verschandelt deinen Körper, du bist zu schwach, bist ihr unterlegen, kannst nichts dagegen tun..
Kraftlos wachst du auf, dein Bett ist voller Blut, das Monster wird immer böser, es geht immer weiter, zu weit?
Du kannst dich nicht bewegen, du schluckst, dein Mund bleibt trocken, deine Zunge rau. Du siehst an dir runter, du bist so zart, so zerbrechlich, so blass, du hebst deinen Kopf versuchst deinen Körper zu bewegen, doch alles dreht sich, dein Kopf knickt weg, du fällst in ein tiefes schwarzes Loch, bist gefangen im Nichts.
Lichtjahre vergehen, bis du wieder zu dir kommst, du hast Kräfte gesammelt, bist bereit deine Blutlache zu verlassen, deine Finger sind aufgequollen von deinem Körpersaft, du stehst, kannst dich halten, du stolperst ins Bad, musst die Beweise vernichten, das Wasser färbt sich rot, du hast so stark geschruppt, deine Wunden sind aufgerissen, du kannst es nicht stoppen, lässt es laufen, siehst entsetzt zu, wie das letzte bisschen Leben aus dir fließt. So einfach kannst du die Bisse der Bestie nicht verstecken, sie werden immer fester, immer tiefer..
Du versteckst dein Laken, niemand darf es finden. Du tust es zu deiner Klinge. Du hasst sie, du willst sie wegtun, doch du brauchst sie. Du schließt den Schrank, heute Nacht wirst du ihn wieder öffnen, heute Nacht wirst du wieder tun, was du hasst, heute Nacht wirst du dir wieder wehtun müssen..
Du spürst wie dein Arm pulsiert als du die Ärmel darüber streichst, du kneifst die Augen zusammen, Schmerz durchdringt dich, heißes Feuer brennt auf deinem Arm, heiße Flammen, die dich langsam & qualvoll verbrennen. Deine Augen versuchen es zu löschen, Wasser fließt auf deine Wunden, das Salz deiner Tränen in den Schnitten deiner Arme, verzerrt dir das Gesicht. Du schließt deine Lider, versuchst den Schmerz zu überstehen, doch plötzlich siehst du ein Licht, hinter einem langen Tunnel blinkt Licht, Sonne?
Du willst es wissen, setzt Fuß vor Fuß, ganz langsam, deine Schritte nähern sich dem Ausgang, oder Eingang?
Du streckst die Hand aus, willst sie in das Licht halten, willst die Wärme spüren, doch dann packt dich eine Hand, sie umgreift deinen Arm, zieht dich zurück, übersieht deine Wunden & schließt dich in die Arme.
Alles in deinem Kopf dreht sich, alles verschwimmt, das Licht geht aus, der Tunnel verschwindet.
Du warst kurz davor, kurz vorm Himmelstor, einen Schritt weiter & du wärst in die Pforte eingetreten. Doch etwas hielt dich zurück, nur was? Dir fällt nichts ein, du hast niemanden, also wer hält dich hier?
Vielleicht gerade der Gedanke, vielleicht grade das Gefühl, umsonst gelebt zu haben?
Du musst es wissen, du musst wissen was die Arme um dich legt, was dich festhält, was dich nicht loslässt..
Du zitterst, dabei scheint die Sonne, du hörst das Rascheln der Blätter, das fröhliche Gezwitscher der Vögel, oh schöne heile Welt...
Doch der Schein trügt.. leider.. Leider lügt das Bild dir dreckig ins Gesicht & lacht, lacht über deinen leeren gefühlslosen Körper, über deine blasse, mickrige Gestalt..
Du schaust weg, verschließt die Augen vor dem Bild.
Wie gern würdest du dich selbst betrügen & das bisschen Schöne hier glauben,
doch wozu noch Hoffnung machen?
Wozu soll man einem zum tot erklärten Menschen noch Hoffnung auf Leben geben?
Um ihn aufzumuntern?
Haha, nein so was hast du nicht nötig.
Du kennst die Wahrheit, du hast dich nie selbst belogen,
dich nie selbst betrogen. NIE.
Du hast schon früh gelernt dich durchzubeißen, die harten Zeiten hast du ganz allein gemeistert.
Ganz allein, ohne Hilfe.
Du wurdest mitten ins Grauen geschubst, wie ein Köder ins Meer voller hungriger Fische.
Doch du bist den Hürden so gut es ging ausgewichen, hast sie aber nicht überwinden.
Doch plötzlich stehst du vor ihr, vor der Meter hohen Mauer aus Stahl.
Du spürst wie der Wind dir die Haare zerwühlt, spürst wie er versucht dich wegzublasen, wie er versucht dich aus der Welt zu streichen, ohne Erfolg, du stehst immer noch da..
Langsam gehst du weiter, fliehst aus dem perfekten Bildchen, willst die Idylle nicht beschmutzen.
Du gehst weiter deinen Weg, in die Schatten des Wäldchens führt es dich.
In die Dunkelheit der Bäume, ins Versteck des Dickichts.
In die verborgene Welt, in der du deine trüben Gedanken auslässt,
in deine dunkle Welt, die deine Makel nicht zeigt.
Ins Unwissende, wo du dich nicht ganz verloren & einsam fühlst.
Doch trotzdem bist du allein, ganz allein, im Dickicht versteckt..
Weg, vom trügenden Schein..
Sie hat wässrige Augen, blasse Haut, sie bindet deine Aufmerksamkeit an sich, hält dich fest, lässt dich nicht los... Sie schaut dich verstört an. Du musterst sie, dein Herz erfriert an der Kälte, dem Elend, welches sie ausstrahlt. Sie durchbohrt dich mit flehenden Blicken, ihre Lippen beben, sie will schrein, versucht zu flüstern „Hilf mir“, doch sie bleibt stumm.
Dir läuft ein eiskalter Schauer über den Rücken wenn du an das Mädchen denkst. Du bereust dass du ihr nicht geholfen hast, ihr nicht helfen konntest, nicht helfen kannst…
Du atmest aus, schaust zum Himmel, verachtest den Menschen dort oben, der das arme Mädchen so leiden lässt, du verachtest seine Kälte, seine Gleichgültigkeit. Du kannst nicht begreifen wie man einer kleinen harmlosen Gestalt so etwas antun kann. Du kannst es nicht verstehen, willst es nicht verstehen. Innerlich brichst du zusammen, der Anblick des Mädchens hat dich verwirrt, wieso hilft ihr niemand? Wieso sieht niemand wie sie leidet? Wieso schenkt ihr niemand die Aufmerksamkeit um zu begreifen, das sie am Ende ist? Wieso?!
Du richtest dich auf, schaust in den Spiegel, da ist es wieder, das verzweifelte Mädchen, das erfolglos nach dem Ausweg sucht, doch es ist gefangen, gefangen in einer anderen Dimension, gefangen in der Schattenwelt, in der das Böse lebt & sich an der Angst, dem Hass der Menschen ergötzt.
Du deckst den Spiegel ab, willst das Mädchen nicht mehr sehen, willst ihren, deinen, Leidenweg nicht mit verfolgen…
Du schließt die Augen in der Hoffnung das Bild aus deinem Gedächtnis zu drängen… Erfolglos…
Mitternacht, selig schläft das Mädchen, Zufriedenheit auf ihrem Gesicht, doch nicht mehr lange…Die dunklen Schatten trügen ihre Träume, verwandeln sie in Alpträume, sie will weg, schreckt auf. Das letzte was sie sieht, ist das weißte Licht des Mondes…
Ihre Pupillen weiten sich, die Bestie ergreift Besitz von ihr, von dir! „Zerschneide deine Arme, zerschneide deinen Körper! Zerstöre dich selbst!“ Befiehlt es dir, das Ungeheuer tief in dir. Du rennst zum Schrank, leer. Wo ist die Klinge? Wo? Du suchst, durchwühlst dein Zimmer, verwüstest dein Bett, nichts. Keine Klinge, keine Schere, kein Instrument das dir schaden könnte. Das Monster tobt, zerrüttelt deine Seele, zerstreut deine Gedanken. Du schnappst nach Luft, die Bestie braucht ihr Opfer, was sollst du tun?
Du musst es stillen…
Du läufst zum Spiegel, reißt das Tuch herunter, da steht es wieder das Mädchen, es zieht dich in seinen Bann, ist ganz allein im schwarzen Zimmer, ganz allein. Du drehst dich um, suchst nach dem Geist der dich steuert, nach der Hand die dich führt… Doch dort ist nichts. Nur du, du allein, DU bist die Bestie.
DU tust dir das an, DU tust dir weh, nur DU allein!
Du brichst zusammen, mit leeren Augen liegst du am Boden, dein Kopf ist leer, die Nacht vergeht. Die Bestie verendet an den Strahlen der Sonne, sie konnte nicht gehen, sie brauchte ihr Opfer. Jetzt ist sie fort… Für immer?
Dein Herz erfüllt sich mit Wärme, deine Lungen mit Luft. Du schaust in den Spiegel, das Mädchen starrt dich an, es lächelt, verkrampft heben sich ihre Mundwinkel. Ein Strahl erhellt ihre Welt. Sie ist glücklich, hat das Elend durchbrochen.
Du hast die Bestie besiegt. Dein Leben beginnt..
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Submission Date 01.08.2008 - 12:39:40
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